Suite101, Artikel vom 14.1.2009

Gepostet am Jan 14, 2009 in Presseartikel

Suite101, 14.1.2009
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Tomate & Gurke – Rhönschaf & Schafwollmatten
Die Schafwolle des Rhönschafes betreibt Tomaten- und Gurkenzucht
© Dr. Gerald Albach  14.01.2009 Rhönschafe waren einst Sinnbild für Fleischeslust und Wolllust in Deutschland. Nun erobert das königliche Fleisch wieder Gourmettempel, die königliche Wolle Gewächshauser

Erfasst eine neue Phase der Fleischeslust und der Wolllust Deutschland? Das Rhönschaf war als „Schaf der Königin“ um das Jahr 1850 ein deutscher Exportschlager. Ganz Frankreich und Kaiser Napoleon ergötzten sich majestätisch am adeligen Fleisch. Um diese Zeit war Deutschland auch der Export-Weltmeister von Schafwolle. Von den ehemals knapp 30 Millionen Schafsköpfen verschiedener Rassen um das Jahr 1860 gibt es momentan nur noch etwa 2,7 Millionen Tiere in Deutschland, davon etwa 10.000 Rhönschafe. Nachdem durch gezieltes Marketing das königliche Fleisch der Rhönschafe wieder Einzug in Gourmettempel hält, erobert die königliche Schafwolle als Trägermaterial von Tomaten und Gurken nun auch Gewächshäuser.

Schafwolle kriegt sich mit Baumwolle in die Wolle
Der Bestand an Rhönschafen und anderen Schafrassen ging ab 1878 stark zurück. Einerseits traten Viehseuchen auf und neue Einfuhrbeschränkungen drosselten den Export nach Frankreich, andererseits sanken die Wollpreise drastisch. Die Schafwolle kriegte sich mit anderer Wolle in die Wolle: Es trat eine wachsende Konkurrenz zwischen überseeischer Wolle, anderen Textilfasern und und Baumwolle auf. Deutsche Schäfereien wollten und konnten nicht mehr einträglich wirtschaften.

Kostenintensive Schafwolle: ungewaschene Schafwolle braucht intensive Reinigung
Schafwolle ist eine kostenintensive Wolle, da der Schweiß der Schafe, das Wollfett und andere Verunreinigungen die Wolle verschmutzen. Nur nach einer intensiven Reinigung ist die Schafwolle für die Textilindustrie interessant. Unbehandelte Schafrohwolle war bisher in dieser Beschaffenheit kaum zu vermarkten. Doch Rhönschaf Rhönhilde kann neue Hoffnung schöpfen: Ein Projekt am Berliner Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte (IASP) der Humboldt-Universität entwickelte neue Einsatzmöglichkeiten für Schafrohwolle in Garten- und Landschaftsbau. Es wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert.

Tomaten, Gurken & Schafwollmatten – Die neue Wolllust im Gartenbau
Tomaten und Gurken wachsen oft im Anbau unter Glas im Gewächshaus in so genannten „erdelosen Kulturverfahren“ auf Trägermaterialien, dem Substrat. Steinwolle ist momentan als Kultur- und Vegetationsmatte das häufigste Substrat und hat unter anderem den Nachteil, dass Steinwolle nach Gebrauch als Sondermüll eingeordnet wird. Deshalb werden alternative Trägermaterialien für Kultur- und Vegetationsmatten erforscht. Hier zeigt sich nun, dass gerade die rohe Schafwolle alleine oder in der Kombination mit mit anderen pflanzlichen Fasern als Trägermaterial sich günstig auf die Entwicklung von Tomaten und Gurken auswirkt. Der Anbau von Tomaten und Gurken im Gewächshaus ist sehr ertragreich.

Schafwollmatten – die neue Wolllust für Tomaten und Gurken
Sowohl Schafwollmatten als auch Schafwollfasern kombiniert mit Kokosfasern nehmen trotz des Fettgehaltes der Schafwolle viel Wasser auf. In Versuchen zeigte sich, dass die Tomaten und Gurken während der Vorkultivierung auf Schafwollmatten gut mit Stickstoff versorgt werden. Die Schafwollmatte bleibt auch bei der Verrottung stabil und versorgt die Pflanzen nach der Vorkultivierung weiterhin mit Stickstoff. Bei Gurken zeigte die Kombination aus Schafwollfasern und Kokosfasern positive Wirkungen auf das Wachstum und die Ausbildung der Früchte. Gegenüber dem Ernteertrag auf Steinwolle gab es keine bedeutsamen Unterschiede.