Rhein-Zeitung, Artikel vom 08.05.2010

Gepostet am Mai 8, 2010 in Presseartikel

Schafwolle hält steilen Hang am Leben

Kastellaun – Nachhaltigkeit, ein Schlagwort unserer Zeit, bedeutet, dass ein natürlicher Kreislauf nicht unterbrochen wird. Am Beispiel einer Hangsicherung in Kastellaun wird das System praktiziert.

Großflächig kann mit den Schafwollmatten Erosion verhindert werden. In Kastellaun wurde gegenüber dem Hallenbad ein frisch gerodeter Abhang damit bedeckt. Schon in vier Wochen soll das erste Grün hier wieder sprießen.
Werner Dupuis

Matten aus Schafwolle sollen einen steilen Abhang in der Laubacher Straße in Kastellaun vor der Erosion bewahren. Die Begrünung wird durch diese Methode erleichtert.

Beim Bau des Parkplatzes am Hallenbad musste ein mit einer Dornenhecke bestandener Abhang abgeholzt werden. Übrig blieb eine Wind und Wetter ausgesetzte kahle Fläche. Es hätte Jahre gedauert, bis hier wieder ein natürlicher Bewuchs entstanden wäre. Die Gefahr, dass starke Regengüsse die oberen Bodenschichten und damit auch den keimenden Bewuchs abgetragen hätten, wäre mehr als wahrscheinlich gewesen. Eine Bepflanzung mit Sträuchern aus der Baumschule wäre dem Stadtsäckel teuer zu stehen gekommen.

Da kam das Angebot von Holger Schürk gerade recht. Der Kaufmann hat sein Büro in Kastellaun und vertritt ein Unternehmen aus Thüringen, das Schafwollmatten produziert und vertreibt. Mit diesen „Geomatten“ kann Erosion großflächig verhindert werden. Das Prinzip ist recht einfach. Nach dem Muster eines Fließteppichs wird Wolle in einer Breite von 1,10 Metern und einer Länge von 30 Metern auf Rollen verarbeitet.

Diese Matten werden auf den zu befestigenden Flächen ausgelegt. In der Schafwolle sind große Menge von Stickstoff enthalten, die das Pflanzenwachstum fördern. Zusätzlich können ganz nach Wunsch des Auftraggebers Pflanzensamen beigemischt werden. In der Regel nimmt man dafür eine „autochthone Mischung“ mit einer breiten Palette an gebietstypischen Pflanzenarten.

Die Wolle saugt wie ein Schwamm das Regenwasser auf und verhindert damit Schäden durch Auswaschungen. Die Feuchtigkeit wird anschließend dosiert in kleinen Mengen wieder abgegeben. Fünf Jahre dauert es, bis die Geomatten verrottet sind. Dabei bildet sich eine Schicht fruchtbarer Humus. In diesem Zeitraum ist der Bewuchs zurückgekehrt, hat sich die ehemals öde Fläche in einen blühenden Teil der Landschaft zurückverwandelt.

Die Geomatten haben noch einen weiteren ökologischen, dem Prinzip der Nachhaltigkeit entsprechenden Aspekt. Die Wolle stammt von Tieren aus der Rhön. Im vergangenen Jahrzehnt ist der Wollmarkt dort wegen billigerer Exportware zusammengebrochen.

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Schafwolle hält steilen Hang am Leben

Das Fell der Schafe muss aber mindestens einmal im Jahr geschoren werden. Jedes Tier produziert rund vier Kilogramm Wolle jährlich. Neben der Einbuße durch den fehlenden Verkauf mussten die Schäfer zusätzlich noch die teure Entsorgung der Wolle zahlen. Folge: Die Schafbestände nahmen ab.

Andererseits gewinnt die Schafhaltung an Bedeutung. Sie dient der Offenhaltung der Kulturlandschaft. Anstatt auf den Kosten für die Entsorgung sitzen zu bleiben, erhält der Landwirt dank der Geomatten sogar noch einen Erlös für seine Wolle. Pro Jahr werden 200 000 Quadratmeter Schafwollmatten verlegt. Die Wolle von 50 000 Schafen ist erforderlich. In unserer Region wurden die Wollmatten bereits erfolgreich in einem Steillagen- Weinberg bei Zell und im Auftrag des Landesbetriebs Mobilität unter anderem bei Rengsdorf und an der B 50 bei Ohlweiler verlegt. 2000 Quadratmeter groß sind die durchschnittlichen Flächen.

Etwa Vier Wochen dauert es laut Holger Schürk, bis das erste Grün durch die Geomatten sprießt. Mit Bürgermeister Marlon Bröhr wird er das Wachstum gegenüber des Hallenbades mit Interesse verfolgen. Schürk ist überzeugt, dass sich auch auf den kargen Hunsrücker Böden die Thüringer Schafwollmatten bewähren.   

Von Werner Dupuis
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