MDR online, 24.6.2008

Gepostet am Jun 24, 2008 in Presseartikel

Wolle: Wie sie als Mulch genutzt werden kann

Wollfasern sollen das Pflanzenwachstum fördern, Wasser speichern und düngen. Ausprobiert haben das Unternehmer aus der Thüringer Rhön. Die Rhön hat ein Woll-Problem. Für die Landschaftspflege sorgen dort Schafe, die den Magerrasen kurz halten. Aber Schafe produzieren auch Wolle. Viele Tonnen Wolle – ein nachwachsender Rohstoff, der heute kaum noch gebraucht wird.
Noch sind die Wollmassen kaum zu bändigen. Aus den Wollmassen sollen blühende Landschaften werden, versprechen die Mitarbeiter der Firma Geotex in Dermbach. Sie machen aus den Fasern einen Endlosstrang, dem bei Bedarf auch Pflanzensamen beigemischt werden können. In einem Meter stecken bis zu 100 Gramm Wolle samt natürlichem Wollfett, dem Lanolin. Darin stecken für den Pflanzenwuchs viele nützliche Salze. In Handarbeit entstehen lockere Matten. Eine Maschine dafür kann sich das junge Unternehmen noch nicht leisten.
 
Schafwolle – ein nachwachsender Rohstoff wird neu genutztDie fertigen Matten sollen Hänge und Böschungen gegen ein Abrutschen sichern, begrünen und erblühen lassen. Das funktioniert bis jetzt gut; zum Beispiel an der B 19 bei Schwallungen. Schon nach drei Wochen und trotz heftiger Gewittergüsse, die auf den Abhang niedergingen, gibt es dank der Schafwolle aus der Rhön schon sattes Grün. Der Hang gegenüber wurde vor einem Jahr herkömmlich begrünt und mit Jutematten gesichert.
 
In Handarbeit werden die Wollmatten hergestelltErste Auszeichnung erhalten
Wenn die Wolle Hänge und Böschungen erblühen lassen kann, eignet sie sich vielleicht auch zur Pflanzenaufzucht, dachte man sich in Dermbach und webte neue Matten – Anzucht-Matten für Gemüse oder Rasenanbau. Beim Bundeswettbewerb „Land der Ideen“ wurde das Projekt mit den Wollmatten bereits ausgezeichnet. Dass sie als Pflanz-Matten mehr als nur eine Mulch-Alternative sind, davon ist der Erfinder Jan Holland-Moritz überzeugt.
 
In den Wollmatten stecken für den Pflanzenwuchs viele nützliche SalzeOb der Pflanzenwuchs wirklich durch die Matten verbessert werden kann, probiert man derzeit an der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Erfurt aus. Hier bekommen einige Tomatenpflanzen 50 Prozent weniger Wasser, einige keinen Dünger, andere eine 100-prozentige Versorgung. Gleiche Wuchsbedingungen sind damit für den Wollmattenanbau und den herkömmlichen Tomatenanbau gegeben. Offen ist, ob auch schädlichen Stoffe in der ungewaschenen Wolle sind. Ergebnisse gibt es aber erst zur Erntezeit.

Bei Zierpflanzen für Balkon und Terrasse funktioniert der Trick mit der Wolle auch, hat Mitarbeiterin Kati Luck festgestellt. Sie mischt auch diese Erde mit Wollfasern.

Dieser Text gibt den Inhalt des Beitrags der Sendung MDR Garten vom 24. Juni 2008 wieder. Eventuelle spätere Änderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt. – Alle Angaben ohne Gewähr –
Zuletzt aktualisiert: 24. Juni 2008, 10:51 Uhr