Freies Wort, 8.5.2008

Gepostet am Mai 8, 2008 in Presseartikel

Schafwolle sorgt für grüne Hänge

An der B 19 werden Schafwollmatten ausgebracht / Blühende Landschaft in fünf Wochen erwartet

Schwallungen/DermbachSchafe fressen Gras. Das ist sicher den meisten Leuten schon aufgefallen. Aber wer hat schon einmal das Gras aus der Schafwolle hervorsprießen sehen?

Das können die Autofahrer von sich behaupten, die in den nächsten fünf Wochen auf der B 19 an Schwallungen vorbeifahren. Auf einer Fläche von 1800 Quadratmetern werden dort an der Böschung Schafwollmatten ausgebracht. Das Ziel ist, eine möglichst schnelle Begrünung des betroffenen Hanges an der Umgehungsstraße zu erreichen. Der Samen für die neue Graslandschaft ist gleich in den Matten eingearbeitet. Die guten Wasserspeichereigenschaften der Wolle sollen für einen gleichmäßigen Bewuchs sorgen. „Wir sind fest davon überzeugt, dass wir in zirka fünf Wochen schon blühende Landschaften nachweisen können“, sagt Jan HollandMoritz, Geschäftsführer der Geotex Holland-Moritz GbR.
Mit dem Schafwollprojekt hatte sich das Dermbacher Unternehmen gemeinsam mit dem Technologie- und Gründerzentrum Schmalkalden/Dermbach (TGF) bei dem Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ beworben. Mit Erfolg. Das TGF gehört seit diesem Jahr zu den 365 innovativsten Orten Deutschlands.
Nach einer einjährigen Testphase, bei der die Matten entlang von Kreisstraßen zum Einsatz kamen, kann die Firma Geotex zum ersten Mal Erfahrungen an einer Bundesstraße sammeln. Die Testfläche hat ihr das Straßenbauamt Südwestthüringen Zella-Mehlis zugeteilt. Dabei ist für Jan Holland-Moritz vor allem die Frage interessant, wie sich die Matten auf Sandstein und einem erosionsgeschädigten Untergrund bewähren. Der Vorteil der Wolle liegt laut Holland-Moritz darin, dass sie das Wasser wie ein Schwamm speichert und dadurch besser ableitet. Das heißt, das Wasser spült nicht die Böschung herunter. Außerdem entsteht innerhalb kurzer Zeit eine Grünfläche.
1,8 Tonnen Wolle bringen die Arbeiter insgesamt aus. Das entspricht 800 Gramm bis ein Kilo pro Quadratmeter. Die Wolle selbst verrottet innerhalb von fünf Jahren. In dem Projekt sieht Holland-Moritz für die Schäfer der Region eine gute Möglichkeit, die Wolle, die sie sonst nicht absetzen können, zu verkaufen. Wollankäufe bietet er an jedem letzten Freitag im Monat bei seinem Firmensitz, Untere Röde 13, im TGF in Dermbach an.
Unterstützung hat das Projekt von Anfang an von Landrat Ralf Luther und dem scheidenden Verkehrsminister Andreas Trautvetter erfahren. Dieser sieht in der raschen Ansiedlung einer Vegetation mit Hilfe der Schafwollmatten einen großen Vorteil für den Straßenbau.
Wer also dem Gras beim Wachsen zusehen möchte, kann in den nächsten fünf Wochen öfters mal an Schwallungen vorbeifahren. Aber nicht vergessen, auf den Verkehr zu achten. “