Freies Wort, 29.3.2008

Gepostet am Mrz 29, 2008 in Presseartikel

Neue Perspektiven für Schäfer in der Rhön
Wolle und ihre Weiterverarbeitungsmöglichkeiten / Geo- und Pflanzenträgermatten

Dermbach In Deutschland steigt der Bedarf an nachwachsenden Rohstoffen. Doch die Forschungen konzentrieren sich momentan hauptsächlich auf den Sektor Bioenergie. Die Verwendung von Schafwolle in der Wirtschaft beschränkt sich nur auf wenige Projekte. Ein Fachforum zum Thema Wolle bestätigte dem Dermbacher Technologie- und Gründerzentrum (TGF), dass es mit seiner Suche nach neuen Produkten aus Schafrohwolle auf dem richtigen Weg ist. Hier stellt die Firma Geotex Erosions- und Pflanzenschutzmatten her, die bereits im Landschafts- und Straßenbau Einsatz fanden.

Zum Forum hatte das TGF Fachleute aus der ganzen Bundesrepublik eingeladen. Zuvor hatte es sich mit dem Projekt „Blühende Landschaften aus Wolle“ beim Innovationswettbewerb „Ort im Land der Ideen“ erfolgreich beworben. „Unsere Idee ist es, Produkte aus Wolle zu entwickeln, um so zur Wertschöpfung für die Region beizutragen“, sagt Roswitha Lincke, die Geschäftsführerin des Technologie- und Gründerzentrums Schmalkalden-Dermbach.
Jan Holland-Moritz von Geotex erklärt, dass mit der Herstellung der Geo- und Pflanzenträgermatten aus Schafwolle auch neue Perspektiven für die Schäfer in der Rhön verbunden sind. Die ungewaschene Schafwolle wird in einer Maschine zu dicken Seilen verarbeitet, die zu einem Netz geknüpft werden. Zusätzlich kann in die Seile Pflanzensamen eingearbeitet werden. Das garantiert eine gleichmäßige Begrünung von Böschungen. Geotex hat bereits bei Straßenbaumaßnahmen bei Metzels im Landkreis Schmalkalden-Meiningen und bei Ettenhausen im Wartburgkreis unter anderem Böschungen mit den Matten bespannt. Diese bieten Vorteile beim Erosionsschutz selbst steilster Hänge, können Wasser hervorragend speichern und sind komplett biologisch abbaubar.
Mit der Verwendung von Schafwolle in der Wirtschaft hat sich auch die Humboldt-Universität in Berlin beschäftigt. „Ungewaschene Wolle wurde bisher noch in keinem größeren Maßstab verarbeitet. Hier betreten wir Neuland“, erklärt Susanne Herfort vom Institut für Agrar- und Stadtökologische Projekte Berlin. Hier wurden in den letzten Jahren zwei Projekte zur Verwendung von Schafrohwolle begleitet. Zum einen handelte es sich um den Einsatz von Schafwollmatten zur Begrünung von Dächern. Außerdem wird der Einsatz von Schafwolle im Gewächshaus zur Zucht von Tomaten erforscht. Positiv hat sich der hohe und lang anhaltende Stickstoffgehalt der Schafwolle auf den Geschmack der Tomaten ausgewirkt, schätzt Susanne Herfort ein. Beim zweiten Projekt ging es um die Entwicklung von Düngerpellets aus Schafwolle für den Gartenbau.
Insgesamt sei ein rasanter Anstieg der Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen zu verzeichnen, stellt Dr. Armin Vetter von der Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft fest. 1993 waren in Deutschland 20 000 Hektar landwirtschaftliche Fläche mit nachwachsenden Rohstoffen bestellt. 2006 waren es bereits 1,6 Millionen Hektar. Thüringen, so Vetter, investiere bundesweit neben Brandenburg und Sachsen am meisten in die Forschung für den Einsatz nachwachsender Rohstoffe. Die steigende Nachfrage nach alternativer Energie aus Biomasse hat aber auch ihre Schattenseite: Bereits jetzt sei eine Konkurrenz zwischen Energie- und Nahrungspflanzen zu beobachten, denn die verfügbare Anbaufläche für Nahrungspflanzen geht zurück. „Das wiederum führt zu Preissteigerungen im Nahrungsmittelsektor. Eine Kopplung des Rohölpreises mit dem von Getreide ist bereits eingetreten“, sagt Vetter.“