Freies Wort, 25.3.2008

Gepostet am Mrz 25, 2008 in Presseartikel

Schafwollmatten für Schwallungen
Technologie- und Gründerzentrum Dermbach gehört zu den 365 innovativsten Orten Deutschlands
Von Carsten Kallenbach

Das Dermbacher Technologie- und Gründerzentrum gehört nun offiziell zu den 365 innovativsten Orten Deutschlands. Die entsprechende Auszeichnung konnte Geschäftsführerin Roswitha Lincke aus den Händen von Ulrike Kerakisch von der Deutschen Bank in Schmalkalden entgegennehmen. Die Deutsche Bank ist Partner des Wettbewerbes „365 Orte im Land der Ideen“, der seit einigen Jahren von der Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“ ausgeschrieben wird. Die Schirmherrschaft liegt bei Bundespräsident Horst Köhler.

1500 Bewerbungen waren im vergangenen Jahr bei der Jury eingegangen – von kommunalen Einrichtungen, Vereinen, Verbänden oder Initiativen aus den Bereichen Gesellschaft, Kunst, Kultur, Soziales, Bildung, Musik, Sport, Technik, Wissenschaft und Wirtschaft.

Das Dermbacher Technologie- und Gründerzentrum hatte sich gemeinsam mit der Existenzgründerfirma Geotex mit dem Projekt „Blühende Landschaften aus Wolle“ beworben, bei dem es um die Verarbeitung von ungewaschener Schafwolle im Landschafts-, Garten- und Straßenbau und damit um eine völlig neue Nutzung des nachwachsenden Rohstoffs Wolle geht.

„Seit über zehn Jahren beschäftigen wir uns mit dem Thema, wie wir aus der Verarbeitung von Wolle zu neuen kreativen Produkten eine Wertschöpfung für unsere Region generieren können. Wir haben dazu internationale und nationale Wollsymposien durchgeführt“, sagte Roswitha Lincke.

Beim Bundeswettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ seien Themen gefragt gewesen, die in die Zukunft tragen. Bewusst sei deshalb die Entscheidung gefallen, hier die Verarbeitung von Rohschafwolle in den Mittelpunkt zu rücken.

„Wir müssen in Zukunft noch massiv daran arbeiten, dass diejenigen Menschen geachtet werden, die Mut haben, eine Firma aufzubauen und ihre Ideen umzusetzen“, meinte die Geschäftsführerin. „Das sind für mich die Mutmacher unserer Zeit. Ihnen müssen wir die Wege bereiten und manche Bedenkenträger von der Richtigkeit dieser Wege überzeugen“, ergänzte sie.

Der Innovationswettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ diene der Stärkung des Wirtschaftsstandortes Deutschland, sagte der Thüringer Minister für Bau und Verkehr, Andreas Trautvetter. „Er fördert Einfallsreichtum und visionäres Denken und unterstreicht die Zukunftsfähigkeit, Leistungs- und Innovationskraft unserer Menschen.“

Mit der Gründung des Kompetenzzentrums für nachwachsende Rohstoffe 2006 in Dermbach habe das Technologie- und Gründerzentrum ein neues Kapitel aufgeschlagen, denn damit sei der Kontakt zu wissenschaftlichen Einrichtungen geknüpft worden, würdigte Trautvetter. „Kreativität ist der Schlüssel zum Erfolg und setzt schöpferisches Denken und Handeln sowie die Offenheit für Neues voraus“, hob der Minister hervor.

Genau das habe die Firma Geotex mit der Entwicklung der Geo- und Landschaftsmatten aus Schafwolle getan. „Bei der Sicherung von Böschungen im Straßenbau gibt es oft Probleme mit der Erosion. Deshalb ist die rasche Ansiedlung einer Vegetationsschicht sehr wichtig“, hob Trautvetter hervor.

In die Schafwollmatten der Firma Geotex ist der Samen für die neue Vegetation gleich mit eingearbeitet. Die Matten werden mittels Erdnägeln mit dem Erdreich verbunden, und die guten Wasserspeichereigenschaften von Schafwolle garantieren einen gleichmäßigen Bewuchs auch bei längeren trockenen Witterungsperioden. Bislang wurde diese neue Möglichkeit, Hänge und Böschungen zu begrünen, beim Straßenbau zwischen Wallbach und Metzels im Landkreis Schmalkalden-Meiningen und zwischen Ettenhausen und Kupfersuhl im Wartburgkreis getestet.

Das nächste Projekt wird die Ortsumgehung von Schwallungen im Landkreis Schmalkalden-Meiningen sein. „Diese Pilotprojekte werden wir weiter untersuchen, aber die ersten Beobachtungsergebnisse stimmen mich positiv“, sagte Trautvetter.

Gleichzeitig vertrat er die Meinung, dass die Erosionsschutzmatten aus Schafwolle nicht nur für den Straßenbau interessant sind. „Wir stehen auch vor der Frage, wie begrünen wir die Abraumhalden der Kaliindustrie oder die Halden des Kupferbergbaus.“

Das Technologie- und Gründerzentrum, hob Ulrike Kerakisch hervor, sei eine Zukunftswerkstatt für neue Potenziale und Chancen im ländlichen Raum. Dabei gehe es mit Ideenreichtum, unternehmerischen Visionen und Leidenschaft an die tägliche Arbeit. Der Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ sei inzwischen zur größten Veranstaltungsreihe in Deutschland geworden, denn jeden Tag werde ein Ort für sein herausragendes Projekt geehrt. „Damit gilt der Wettbewerb als Markenzeichen für eine hohe innovative Kraft“, sagte Ulrike Kerakisch.

Der Landrat des Wartburgkreises, Reinhard Krebs, bezeichnete das Technologie- und Gründerzentrum Dermbach als „Drehscheibe der Innovationen für unsere Region“. Insbesondere Geschäftsführerin Roswitha Lincke habe immer wieder die Geduld, durchzuhalten und die Projekte zu einem guten Ende zu führen. Immer gehe es dabei darum, die Potenziale, die vorhanden sind, sinnvoll zu nutzen.

Dermbachs Bürgermeister Gerhard Ruppert bezeichnete die Auszeichnung im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ als eine ganz wichtige für das Technologie- und Gründerzentrum.

„Wir werden uns auch in Zukunft dem nachwachsenden Rohstoff Wolle ausführlich widmen“, kündigte Roswitha Lincke an. Dabei werde das Technologie- und Gründerzentrum verstärkt mit dem Deutschen Wollforschungsinstitut in Aachen und mit der Humboldt-Universität Berlin zusammenarbeiten. “