BR-Online, Aktuelles aus Franken, Artikel vom 27.05.2010

Gepostet am Mai 27, 2010 in Presseartikel

Versuchsreihe Schafwolle im Straßenbau

Wülste von Schafwolle schützen Böschungen wirksamer als alles andere vor Bodenerosion
und garantieren zugleich das beste Pflanzenwachstum. Zu diesem überraschenden Ergebnis
kommt ein großangelegter Feldversuch der Landesanstalt für Wein -und Gartenbau (LWG)
in Veitshöchheim.

An den Steilhängen des Autobahnkreuzes Biebelried an der A3 sind insgesamt 54 Teststreifen
angelegt. Hier erproben die Mitarbeiter der LWG gemeinsam mit Ingenieuren des Süddeutschen
Kunststoffzentrums (SKZ) in den kommenden zwei Jahren acht verschiedene
Erosionsschutzsysteme und zwei Begrünungsvarianten. Unter den Testobjekten sind
Böschungsmatten aus Kunststoffen und Kokos, mal mit, mal ohne integriertes Saatgut. Sie sollen
den nackten Boden vor Wind und Wasser schützen.

Auch in den Laboren wird geforscht

Zeitgleich forschen die Ingenieure in den Laboren von SKZ und LWG. Materialprüfungen und
Testberegnungen geneigter Flächen sollen Aufschluss darüber geben, an welchen Standorten die
unterschiedlichen Erosionsschutzsysteme am besten eingesetzt werden können.

Schafwolle enthält natürlichen Dünger

„Bisher hat die Schafwolle am besten abgeschnitten“, sagt Jochen Böker von der LWG. Die zu
dicken Wülsten gesponnene Rohwolle böte gleich mehrere Vorteile: „Zum einen speichert das
Material sehr viel Wasser und bremst rutschende Erde,“ erklärt Böker. Selbst ein Starkregen könne
den wertvollen Boden kaum noch abschwemmen. „Zum anderen bestehen die Haare der Schafe aus
Horn, aus bestem Dünger also. Selbst nährstoffhungrige Pflanzen gedeihen hier prächtig.“

Neue Vermarktungsmöglichkeit für Schäfer

Von den Forschungsergebnissen könnten langfristig auch die Schäfer profitieren. Sie hätten die
Möglichkeit, die Wolle ihrer meist zur Landschaftspflege eingesetzten Schafe als Erosionsschutz zu
vermarkten, anstelle sie als Müll zu entsorgen. Für Textilien ist die Wolle der heimischen Rassen
nämlich zu kratzig.
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