Baublatt, Juni/Juli 2008

Gepostet am Jul 1, 2008 in Presseartikel

Grüne Hänge dank Schafwolle

Blühende Landschaften durch Schafwollmatten an der B19 DERMBACH (SR).
Wer nicht besser Bescheid weiß, muss glauben, Geotex kann zaubern.

Dem Unternehmen aus Dermbach in der Rhön ist es gelungen, Gras aus Schafwolle wachsen zu lassen. Die Wolle in Form von Matten, in die gleichmäßig Grassamen eingearbeitet sind, würde jüngst an der B19 angebracht und soll für eine schnelle Begrünung von Böschungen und Erosionsschutz, insbesondere einer Hangfläche an der Umgehungsstraße von Schwallungen sorgen.
An der B19 wurden rund 1,8 Tonnen Wolle ausgebracht. Innerhalb von rund fünf Wochen sollen hier auf 1 800 Quadratmetern blühende Landschaften für Autofahrer entstehen, verspricht das Unternehmen, das zusammen mit dem Technologie- und Gründerzentrum Schmalkalden/Dermbach (TGF) für diese Erfindung als einer von „365 Orten im Land der Ideen“ ausgezeichnet wurde. Beide haben sich mit ihrem Projekt gegenüber 1 500 Bewerber um die Aufnahme in die Liste der „ausgewählten Orte 2008″ durchgesetzt. Sie konnten mit ihrem Projekt überzeugen, bei dem es um die Verarbeitung von ungewaschener Schafwolle im Landschafts-, Garten- und Straßenbau und damit um eine völlig neue Nutzung des nachwachsenden Rohstoffs Wolle geht. Entwickelt wurde die Idee von den Existenzgründern, Jan und Raik Holland-Moritz sowie dem TGF, wo die beiden eine Werkstatt, eine Halle voller Wolle, unterhalten. Hier fertigen sie naturbelassenes Vlies zu Strängen, aus denen die Matten entstehen.

Schafwolle wurde deshalb gewählt, weil der natürliche Rohstoff Wasser wie einen Schwamm speichern und dosiert abgeben kann, ohne dass das Wasser die Böschung ausspült und Erosion hervorruft. Außerdem kann ein gleichmäßiges Wachstum von Gras innerhalb kurzer Zeit, selbst bei trockenen Witterungsperioden, sichergestellt werden. Bislang wurden die  Matten zur Begrünung von Hängen und Böschungen entlang von Kreisstraßen eingesetzt. Erstmals getestet wurden sie beim Straßenbau zwischen Wallbach und Metzels im Landkreis Schmalkalden-Meiningen und zwischen Ettenhausen und Kupfersuhl im Wartburgkreis. Die Umgehungsstraße von Schwallungen an der B19 ist der erste Einsatz an einer Bundesstraße, bei dem auch geklärt werden soll, wie sich die Matten auf Sandstein und einem erosionsgeschädigten Untergrund eignen. Das Straßenbauamt Südwestthüringen Zella-Mehlis wies dem Unternehmen die Testfläche an der B19 zu.

Vegetation soll sich schnell ansiedeln
Das Verkehrsministerium Thüringens verspricht sich von dem Projekt Vorteile beim Straßenbau, weil sich mit den Schafwollmatten schnell Vegetation ansiedelt. Nach einem Zeitraum von fünf Jahren soll die Wolle verrottet sein. Bis dahin haben sich die Graswurzeln verankert. Übrig bleibt ein saftiges Grün. Doch es steckt noch mehr Potenzial in den Matten: Denkbar wäre laut dem Thüringer Verkehrsminister Andreas Trautmann auch mit der Schafwolle in absehbarer Zeit den Abraumhalten der Kaliindustrie oder den Halden des Kupferbergbaus wieder zu mehr grün zu verhelfen. Geotex arbeitet daran, Schafwolle auch für größere Projekte einsaatzfähig zu machen.